Gespräch mit Prof. Dr. H. J. Bontrup

 

Radio-Kurzfeature von Axel Gauster
Sprecher: Axel Gauster
Online-Text, Foto: Axel Gauster
© 2011 NGG-Region Aachen
Länge: 12'50"
Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo
 
Seite: 1 - 2 - 3
 

 

 „In der verfassungsrechtlichen Diktion ist heute letztlich das Kapital, von Menschen produzierte Produktionsmittel, mehr geschützt als der arbeitende Mensch.“

 
Das sagt Prof. Dr. rer. pol. Heinz J. Bontrup, Wirtschaftswissenschaftler an der Fachhochschule Gelsenkirchen, in einem Vortrag auf der DGB Mitbestimmungsmesse im Juli 2011 in Aachen.
 
Ein ausführliches Gespräch mit ihm zu den Themen Finanzkrise, Kapitalismus, Betriebsverfassungsmodelle, Markt-Liberalismus, Keynes, Parität und über immer mehr Arbeitnehmer als Habenichtse.
 
Habenichtse? Wie das? Ganz einfach.
Menschen produzieren Konsum-, Kapital- und Investionsgüter. Dafür erhalten sie einen Arbeitslohn. Den verbucht der Unternehmer als Kosten. Konsumiert nun der Mensch, so zahlt er den Unternehmern quasi den Arbeitslohn zurück, erhält aber nur das produzierte Konsumgut. Die gleichzeitig mit dem Arbeitslohn erschaffenen Kapital- und Investitionsgüter werden den Unternehmen sozusagen geschenkt. Dadurch werden Unternehmer immer reicher und die Arbeitnehmer bleiben Habenichtse.
Das schrieb sinngemäß Oswald von der Breunig in seinem Buch „Kapitalismus und gerechter Lohn“ bereits im Jahre 1960.1
 
Die Ursachen sieht Prof. Dr. Heinz  J. Bontrup vor allem im sogenannten Neoliberalismus2, die seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts weltweit angewendet wird. „Bis dahin galt eigentlich weltweit der Keynesianismus.3 Der amerikanische Präsident Richard Nixon hat es noch in seiner Neujahrsansprache an das amerikanische Volk 1971 gesagt: Jetzt sind wir alle weltweit Keynesianer geworden."

 

Antikriegsdemo Aachen 1. September 2011
Prof. Dr. Heinz J. Bontrup 
 
Im Gegensatz zum Marktliberalismus oder auch Monetarismus, der sogenannten Chicagoer Schule von Milton Friedman stellt sich die Wirtschaftstheorie von J. M. Keynes gegen das „Spiel der freien Kräfte“, gegen das Argument „Der Markt wird es schon richten“. J. M. Keynes will eben, dass die Staatshaushalte und die Bevölkerungen vor Überschuldung und Verarmung geschützt sind, wenn die weltweit agierenden Kapitalunternehmen durch ihre Aktionen negative Auswirkungen verbreiten.
 
Aber wie ist das eigentlich praktisch gelaufen? Wie konnte sich der Marktliberalismus durchsetzen. Antwort: Durch das Umverteilung von Vermögen. Und zwar in großem Stil.
Bezogen auf die Verteilung im Jahr 1993 bezüglich der Bruttolohnquote sind 1,1 Billionen Euro den Arbeitnehmern genommen worden und den Besitzeinkünften zugeflossen.
 
„Weil 2009 die Reichen und Vermögenden für die Finanzkrise nicht zahlen wollten, hat man einen Trick angewendet, eine Umbuchung gemacht. Auf das Konto Staatsverschuldung. Alle Konjunkturprogramme und so weiter. Hinzu kommt eine extreme, expansive Geldpolitik, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten mit einem Leitzins von quasi null. So konnte die kapitalistische Kernschmelze verhindert werden, aber das Konto Staatsverschuldung ist weltweit aufgelaufen“.
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